Unangenehme Fragen an Fotografen

Mit Menschen zu arbeiten, ist etwas, das ganz natürlich für mich ist. Ich treffe Menschen aus der ganzen Welt und allen sozialen Schichten und Sprachen. Ich habe dabei gelernt, dass alle Menschen neugierig sind. Das trifft natürlich auch auf mich zu. Ich interessiere mich aufrichtig für die Menschen und Familien, die ich fotografiere. Was ist wichtig für sie? Was machen sie? Was zeichnet sie aus? Diese Neugierde wurde nur noch stärker, als ich selbst Mutter geworden bin. Meine Familienshootings gaben meinem eigenen Muttersein eine neue Dimension und  ich konnte mich über das Thema Elternsein mit anderen auszutauschen. Ich erhielt einen fast intimen Einblick in andere Familien und wie diese ihre Kinder aufziehen. Die Verbindung mit Menschen ist für mich ein natürlicher Prozess. Ob auf dem Spielplatz mit meinem Sohn oder beim Fotografieren, für gewöhnlich dauert es nicht lange, bis die Leute auf mich zukommen und Fragen stellen. Einige Fragen finde ich witzig, ein paar verletzen mein Ego ein wenig. Ich kann mir aber vorstellen, dass es für viele Menschen, die nicht selbst Fotografen sind, ganz natürlich ist, diese Fragen zu stellen. 

Deshalb findet Ihr hier fünf Fragen, die mir als Fotografin unangenehm sind 😉 

Unangenehme Fragen an Fotografen

1 - Welche Kamera verwendest du? Sie macht einfach wunderbare Fotos.

Ich weiß, es gibt viele Menschen, die sich für die Fotografie begeistern und zuerst an den technischen Aspekt denken. In meinem Kopf hört sich das aber fast so an: “Deine Bilder sind gut, weil du eine tolle und teure Kamera hast!” Es ist aber nicht die Kamera, die gute Fotos macht. Großartige Fotos entstehen zuerst im Kopf der Fotografen. (Übrigens, ich habe eine Sony Alpha 7III).

Welche kamera ist die beste?

2 - Musst du auch am Wochenende arbeiten? Und was ist mit deinem Kind, wenn du arbeitest? Er würde doch seine Mami so vermissen.

Natürlich gibt es einen Unterschied, ob man diese Frage oben stellt oder einfach nur fragt, wie wir uns in der Familie mit der Arbeit organisieren. 

Mein Mann und ich, wir teilen uns die elterlichen Aufgaben. Und wirklich, warum fragt mich eigentlich niemand wie sehr unser Kind seinen Vater vermisst, wenn dieser auswärts arbeitet. 

Arbeitet die Mutter, so wird ihre Rolle in der Familie sofort infrage gestellt. Etwas, das auf den Mann kaum zutrifft. Es ist eigentlich erschreckend, dass in einem Jahrzehnt, in dem Männer mehr denn je zugeben, gerne „Hausmänner“ zu sein, es immer noch Frauen sind, die Vorurteilen gegenüber stehen, wenn es darum geht, gerne zu arbeiten, einen Beruf außerhalb des Hauses auszuüben und Erfüllung darin zu finden.

Fragen an Fotografen

3 - Kannst du als Familienfotograf überhaupt genug verdienen, um deinen Lebensunterhalt zu bestreiten?

Ich bin sicher, dass diese Frage, wie auch die anderen, mit Neugierde und nicht aus fehlendem Respekt gestellt wurde. Außerdem habe ich nie Probleme gehabt, darüber zu sprechen, wie viel ich verdiene (vielleicht weil es in Italien nicht so tabu ist über Geld zu reden wie in Deutschland).

Aber, warum geht irgendjemand davon aus, dass ich von der Arbeit, die ich leidenschaftlich gerne mache, nicht auch leben könnte? Meine Arbeit ist kein Wochenend-Hobby von mir. Seit fast zehn Jahren (und mehr, wenn ich die Jahre an der Universität berücksichtige) versuche ich, mein Bestes zu geben, um ein Geschäft zu haben das ich liebe, zufriedene Kunden zu haben und völlig unabhängig zu sein. (Das Thema der Fotografinnen, von denen man oft glaubt, dass sie von ihren PartnerInnen unterstützt werden, ist ein Thema, das ich sicherlich in einem meiner nächsten Beiträge aufgreifen werde).

Diese Geschichte des armen Künstlers muss ein Ende haben 😛

4 - Warum bist du eigentlich so teuer? Ich kenne einen Fotografen, der 100 Bilder für 50 € anbietet.

Es gibt da so ein Sprichwort das besagt: „Du bekommst immer das, wofür du auch bezahlst!“.Alle meine Pakete sind sehr gut durchdacht. Sie erfassen Zeit, Talent und das Endprodukt. Auch ich beanspruche für mich, für den Wert meiner Arbeit bezahlt zu werden. Es steht uns Gottseidank durchaus frei dort einzukaufen, wo wir glaubst, das beste Service für den besten Preis zu bekommen. 😉

5 - Kannst du ein Foto von mir machen? Ich brauche wirklich nur EIN Foto.

Das ist leider nicht wie ich arbeite. Um EIN gutes Foto zu schießen, muss ich fast den gleichen Prozess durchlaufen wie für viele Fotos. 

Dazu kommt dann noch Planung, Anfahrt, Versand, Fotoshooting und Nachbearbeitung. Es ist niemals nur mit einem Foto getan. Um ein super Foto zu erhalten, braucht man immer viele Fotos. 

Und da waren sie,  die fünf Fragen, die mich in Verlegenheit brachten! Und du? Erhältst du auch im Beruf oder im Leben Fragen, bei denen du innerlich die Augen rollst? Schreib sie in den Kommentaren auf!

Chiara

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