Analoge Fotografie, Erinnerungen und der eigene Blick – Interview mit Lisa Lange
Analoge Fotografie, Erinnerungen und ein eigener Blick: Fotografin Lisa Lange über Handwerk, Mutterschaft und die Kraft persönlicher Bilder.

Erinnerst du dich noch an unseren letzten Beitrag über das Fotografieren im Sommer? Wir haben damals einige Tipps geteilt. Nun, der Sommer ist wieder da, also dachte ich, wir könnten unsere Kenntnisse ein bisschen erweitern.
Diesmal sprechen wir über Dinge wie Blendensteuerung, das Einfangen von Reflexionen, die Nutzung von Farben und vieles mehr. Eine tolle Neuigkeit: Die Fotos, die du in diesem Beitrag sehen wirst, stammen von einigen Teilnehmerinnen unseres “Intensiv Onlinekurs-Familienfotografie”. Unten jedes Foto findest du den Namen der Fotografin und einen Link, um sie zu folgen und ihre Arbeit zu unterstützen.
In den dunkleren Wintermonaten sind wir oft darauf angewiesen, mit einer offenen Blende zu fotografieren, um so viel Licht wie möglich einzufangen. Der Sommer hingegen schenkt uns Licht im Überfluss!
Das erlaubt uns, die Blende zu schließen und das gesamte Bild scharf zu stellen.
Stell dir vor, du hast eine Szene mit einem Kind, das im Vordergrund spielt, Eltern, die in der Mitte sitzen, und einen Hund, der im Hintergrund herumtollt. Mit einer geschlossenen Blende kannst du all diese Elemente scharf einfangen und eine komplexe Szene erstellen.
Ob das Spiegelbild eines Kindes, das in einer Pfütze nach einem Sommerregen springt, oder das Lächeln eines Elternteils, das in einer Sonnenbrille reflektiert wird – Reflexionen können einzigartige Erinnerungen an den Sommer festhalten und dabei helfen, die besonderen Momente innerhalb einer Familie einzufangen.
Der Winkel, aus dem du fotografierst, kann das Aussehen der Reflexionen erheblich beeinflussen.
Zuerst einmal, stell deine Blende auf 4 und den ISO-Wert auf 100 ein. Das sind gute Startwerte für die helle Mittagssonne. Dann musst du nur noch die Verschlusszeit anpassen, um die richtige Belichtung zu bekommen.
Wenn du gern einen kleineren Schärfebereich hast, kannst du auch deine Blende öffnen zum Beispiel auf 2,8 und bei der Verschlusszeit eine höhere Zahl einstellen. Je nach Kamera hast du da Spielraum und kannst locker bis f 1/1250 gehen.
Tipp: Belichte lieber etwas unter als über. Wenn du zu viel Licht aufnimmst, können manche Teile des Bildes einfach zu hell werden und es gibt keine Rettung mehr in der Nachbearbeitung. Besonders die Haut kann schnell ausgebrannt aussehen, und das ist nicht das, was wir wollen, oder?
Farbkontraste können helfen, dein Motiv hervorzuheben und deinem Foto mehr Tiefe zu verleihen.
Auf dem Bild hier spielen Kinder auf einer grünen Wiese. Das leuchtende Gelb und Blau des Sommerhuts oder das strahlende Weiß der T-Shirts bilden einen starken Kontrast zum grünen Gras und lenken die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf die Kinder.
Farben, die gut zusammenpassen, können ein Gefühl von Harmonie und Balance in deinem Foto erzeugen.
Zum Beispiel könnten die warmen Töne von Sonnenlicht, das auf die Haut deiner Motive fällt, gut mit den kühlen Blautönen von Himmel und Wasser harmonieren.
Hier wiederholen sich die Farben vom Himmel und der Umgebung in den Farben vom Tuch und dem Babyhut.
Ein klarer, blauer Sommerhimmel kann ein wunderbarer Hintergrund sein und gleichzeitig Raum für Negativraum bieten.
Der negative Raum ist ein leistungsfähiges kompositorisches Element in der Fotografie. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf dein Hauptmotiv und kann eine Atmosphäre der Ruhe und Weite erzeugen.
Genauso kann natürlich auch der Strand (oder ein Handtuch, eine Decke, eine Hauswand etc. als so ein neutraler Raum dienen, den du für dein Bild nutzen kannst!
So wie Anneke das hier mit dem wunderbaren windigen Sandstrand gemacht hat.
In der dokumentarischen Familienfotografie sind es oft die kleinen Dinge, die eine große Geschichte erzählen. Besonders im Sommer, wenn die Sonne scheint, können Details eine zusätzliche Dimension zu deinen Fotos hinzufügen.
Wenn die Sonne am höchsten steht, werfen kleine Details wie Sandkörner auf der Haut oder das Funkeln in den Augen eines Kindes deutliche Schatten und erzeugen so eine ausgeprägte Textur und Tiefe im Bild. Die starken Kontraste zwischen Licht und Schatten können die Struktur und Form dieser Details hervorheben und ihnen mehr visuelles Gewicht verleihen.
Nachmittag im Pool oder einfach nur eine fröhliche Wasserschlacht im Hinterhof – Wasser kann in deinen Sommerfotos eine zentrale Rolle spielen.
Die reflektierenden Eigenschaften von Wasser können Lichteffekte erzeugen, die deinen Bildern einen magischen Touch verleihen. Die dynamischen Bewegungen von spritzendem Wasser können zudem viel Leben und Energie in deine Aufnahmen bringen.
Nutze eine schnelle Verschlusszeit: Kinder (und Erwachsene!) bewegen sich beim Spielen mit Wasser oft schnell und unvorhersehbar.
Der Sommer bietet zahlreiche Möglichkeiten, intime und emotionale Hautdetails einzufangen. Achte daher darauf, dass die Haut nicht überbelichtet ist und dass die Details klar zu sehen sind.



In Deutschland (und auch anderen Ländern in Europa) haben wir das Glück, dass die Sonne nie genau über dem Kopf steht, sondern immer leicht schräg oder leicht versetzt. Dies liegt an physikalischen Gründen und daran, dass wir uns nicht am Äquator befinden.
Genau das ist super, denn wir können diesen Schatten nutzen, um wundervolle Fotos zu machen! Ich persönlich fotografiere immer gerne gegen die Sonne, und hier ist mein Trick: Schaut, wohin der Schatten einer Person auf dem Boden fällt, und stellt euch dann genau in diese Richtung, in die der Schatten zeigt.
Warum ist das so hilfreich? Wenn ihr so positioniert seid, hat die Person keine harten Schlagschatten unter den Augen und der Nase. Sie muss nicht die Augen zusammenkneifen, weil sie in Richtung Sonne schaut, sondern hat ihren eigenen Schatten im Gesicht. Dies macht die Hauttöne schön gleichmäßig und die Augen entspannt geöffnet. Und auch die Hauttöne sehen gleich viel gleichmäßiger und natürlicher aus, wenn sie im (eigenen) Schatten liegen und nicht voll von der Sonne angestrahlt werden.
Übrigens werdet ihr feststellen, dass sich die meisten Kinder und Erwachsenen ganz automatisch so positionieren, weil die Sonne zu sehr blendet. Ihr könnt also sicher sein, dass ihr mit diesem Trick schöne und authentische Aufnahmen erzielt und nicht anleiten müsst, sondern ganz natürliche Momente aufnehmen könnt.
Was wir als Eltern am meisten fürchten, ist zu vergessen, wie es wirklich war: der Klang des Lachens, die warmen Hände, das Gefühl von Sommerhaut im Sonnenlicht.
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