Analoge Fotografie, Erinnerungen und der eigene Blick – Interview mit Lisa Lange
Analoge Fotografie, Erinnerungen und ein eigener Blick: Fotografin Lisa Lange über Handwerk, Mutterschaft und die Kraft persönlicher Bilder.
Endlich! Der große Moment ist gekommen, auf den du so lange hingefiebert hast: Du stehst mitten im Wohnzimmer einer Familie, um dich herum ihre quirligen Kinder, vielleicht ein fröhlich brabbelndes Baby in der Wiege und vor dir Eltern, die ihre erwartungsvollen oder vielmehr erwartungsfrohen Blicke auf dich richten.
Es kann losgehen!
Du kannst mir glauben: Ich freue mich riesig für dich. Das ist ein wundervoller Moment und ein großartiger Schritt für deinen Weg als Familienfotografin.
Gleichzeitig ist dieser Augenblick natürlich unglaublich herausfordernd: Jetzt ist deine volle Kreativität gefordert. Denn deine Bilder sollen nicht nur authentisch sein, sondern auch abwechslungsreich und alles andere als Schema F. Möglichst vielseitig möchtest du kleine Geschichten zwischen Eltern und Kindern, Kleinkind und großem Bruder festhalten. Ohne klassisches Posieren auf dem Sofa. Ohne Vater, der hinter der Familie steht und seine Hand auf Schulter von Mutter und Kind legt. Ohne versammelte Familie nett aufgereiht vor dem Haus.

Mein erster Tipp: Entdecke deinen Mut und experimentiere erst einmal, ohne dich gleich zu beschränken. Du wirst herausfinden, dass manche der Kompositionen und Techniken, die ich hier gleich vorstelle, dir besonders liegen. Und andere vielleicht weniger.
Erst wenn du in den Techniken wirklich geübt bist, wirst du spüren können, ob sie für dich und deine Familienfotos funktionieren oder nicht.

Achte auf die Linien im Raum, in dem das Shooting stattfindet. Und binde sie in die Komposition des Familienfotos ein: Das können zum Beispiel Schrankwände, Türrahmen im Haus oder auch Straßen, Brücken und Häuserfluchten draußen sein.
Berücksichtigst du diese Linien für deine Bildkomposition, kannst du den Blick des späteren Betrachters in die von dir gewünschte Richtung lenken.
Diese Linien in der Bildkomposition unterstützen übrigens nicht nur die Blickrichtung, sondern auch Emotionen und Stimmungen. Horizontale Linien erzeugen zum Beispiel ein Gefühl der Ruhe, vertikale Linien das Gefühl von Kraft und Streben und diagonale Linien von Bewegung und Tiefe. Kanten und Zickzacklinien hingegen fördern eine Stimmung von Chaos und Desorientierung.

Schenke deinem Motiv mehr Bedeutung, indem du ihnen den größten Teil des Bildes zugestehst. So maximierst du auch die Wirkung der Komposition. Der einfachste Weg hierfür ist, den Bildausschnitt zu vergrößern und näher an das Motiv heranzugehen.
Wenn nicht, dann geh näher ran und blende sie auf diese Weise aus. Konzentriere dich allein auf das, was das Bild wirklich erzählen soll.

Oft wirken auch die kleineren Elemente auf dem Foto als Teile eines großen Ganzen. Prüfe daher immer wieder die Ecken deines Bildausschnitts.
Lass dir für diese Technik Zeit, kontrolliere alles genau und warte in Ruhe auf den perfekten Moment, in dem alle noch so kleinen Aspekte für dein Familienfoto funktionieren.

Spannend sind auch Bildkompositionen, in denen du dein Motiv in negativen Raum (Freiraum) festhältst. Der negative Raum ist hierbei ebenso wichtig, wie der positive Raum, also dein Motiv selbst.
Die Schwierigkeit bei dieser Fotokomposition besteht darin, die richtige Balance zwischen Motiv und Freiraum zu finden. Nutze dafür am Anfang die Drittel-Regel (s.u.). So kommt dein Motiv noch stärker zur Geltung.

Variiere während deines Shootings und auch während der Aufnahme ein und desselben Motivs (Beispiel: spielende Kinder) immer wieder den Blickwinkel. So kreierst du Szenen mit unterschiedlicher Bedeutung, die auch im Betrachter des Familienfotos verschiedene Emotionen hervorrufen.
Folgende Perspektiven kannst du für dich und deine Bildkompositionen auch bei authentischen Familienfotos versuchen: von oben/Vogelperspektive, auf Augenhöhe, Froschperspektive/Bodenebene, aus nächster Nähe oder ein Foto, aufgenommen durch die Objekte.

Die Drittel-Regel ist neben dem Goldenen Schnitt und der Dreiecks-Regel eine klassische Aufteilung in der Fotografie.
Dabei entstehen neun gleichgroße Flächen und vier Schnittpunkte der Linien. Diese Punkte sind die Stellen in einer Bildkomposition, zu denen die Augen des Betrachters automatisch hingezogen werden.
Und auch auf deinem Familienfoto sollten dies die Stellen sein, auf die du den Blick des Betrachters richten möchtest.

Bilder, welche die Illusion von Tiefe vermitteln, sind für den Betrachter oft interessanter, ansprechender, spannender.
Arbeite für diese Effekte gern mit mehreren Ebenen (Vordergrund, Hintergrund und Mittelpunkt), die du in die Komposition für dein Familienbild einbaust.
Folgendes musst du beim Spiel mit verschiedenen Ebenen beachten: Jede Ebene in deinem Foto hat ihre Elemente, Objekte und Motive, die später in der Gesamtkomposition funktionieren müssen. Die verschiedenen Ebenen dürfen dabei nicht ineinander verschwimmen. Das ist tatsächlich eine große Herausforderung, die dir mit etwas Übung aber sicherlich gelingen wird.

Tauche ein in die Welt der respektvollen, ungestellten Familienfotografie und entdecke, wie du Liebe und Nähe authentisch dokumentierst.
Schwierige Lichtverhältnisse? Oh ja, die kenne ich nur zu gut!
Kennt ihr das? Ihr seid bei einer Familie, draußen ist es grau und drinnen fühlt sich das Licht an, als ob jemand die Sonne auf Sparflamme gesetzt hat. Und ihr denkt euch: “Super, wie soll ich denn jetzt die kleinen Racker einfangen, ohne dass die Fotos aussehen wie aus einer Geisterbahn?”
Hier ist mein Tipp: Nutzt das, was ihr habt! Schlechtes Licht kann nämlich auch super spannend sein. Spielt mit Schatten, findet interessante Kontraste und lasst die Stimmung für sich sprechen. Und ja, manchmal ist es auch okay, den ISO-Wert so richtig hochzudrehen.
Und wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, wie ihr auch bei miesem Licht zauberhafte Kinderfotos zaubern könnt, dann hüpft rüber zu unserem Blogpost “fotografieren bei wenig Licht”. Ich verspreche euch, danach seht ihr das nächste Mal schlechtes Wetter und denkt: “Challenge accepted!”
Lernt, den perfekten Moment zu spüren. Dieser eine Moment, in dem alle echt lachen und nicht nur für die Kamera. Das erfordert ein bisschen Geduld und ein gutes Gespür.
Ach ja, und vergesst nicht, selbst Teil des Moments zu werden. Redet mit den Leuten, lacht mit ihnen. Wenn sie sich bei euch wohlfühlen, werden die Fotos von selbst echt und lebendig.
Wenn ihr noch mehr Tipps und Tricks braucht, um echte Familienmomente festzuhalten, schaut unbedingt in unserem Blogpost “echte Momente einfangen” vorbei.
Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, wie ihr im starken Sonnenlicht und mit Schatten umgeht, um harmonische Bilder zu schaffen, dann hüpft rüber zu meinem Blogpost “Tipps für perfekte Momente im Sommerlicht”. Dort teile ich meine besten Tipps und Tricks, damit ihr das nächste Mal sagt: “Sonne? Schatten? Kein Problem!”.
Habt eure Kamera immer griffbereit. Ja, ich weiß, das klingt jetzt nach einem “Danke, Captain Offensichtlich”-Moment, aber echt, das ist die halbe Miete. Ihr wollt doch nicht den ersten Schritt eures Neffen verpassen, weil die Kamera im anderen Zimmer liegt, oder?
Dann kommt’s aufs Bauchgefühl an. Ihr müsst ein bisschen wie ein Fotografie-Ninja sein, immer bereit, aber nie zu aufdringlich.
Und natürlich, übt euch in Geduld und Beobachtung. Schaut, beobachtet, fühlt die Szene. Manchmal verrät euch der Gesichtsausdruck eines Kindes schon, dass gleich etwas Lustiges passiert. Oder ihr spürt einfach, dass jetzt gleich der Hund in den Teich springt. Es ist ein bisschen wie Wetterfühlen, nur mit Emotionen und Momenten.
Für alle, die noch tiefer in die Kunst des Einfangens authentischer Momente eintauchen wollen, schaut mal in meinem Blogpost vorbei. Da teile ich mit euch meine besten Tipps und Tricks, wie ihr in der Kinderfotografie authentische, lebendige Momente einfangen könnt. Ihr findet ihn hier: Tipps zur Kinderfotografie: Wie man authentische Momente einfängt.
12 Wochen voller intensiver Lerneinheiten, praktischer Tipps und kreativer Herausforderungen, die eure Fotografie-Skills auf das nächste Level heben. Ihr lernt nicht nur alles über Komposition und Bildgestaltung, sondern auch, wie ihr echte, lebendige Momente in euren Bildern festhaltet.
Schaut euch den Kurs hier an und startet eure Reise zu atemberaubenden Familienfotos: 12-Wochen-Onlinekurs zur Familienfotografie. Wir können es kaum erwarten, euch dort zu sehen!
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Kannst du Familienfotografin werden, ohne Kindergesichter zu zeigen? So baust du ein starkes Faceless-Portfolio auf und gewinnst passende Familien.
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