Gute Fotos bei wenig Licht - wie dir dokumentarische Familienfotografie bei schlechten Lichtverhältnissen gelingt

Meine besten Tipps als dokumentarische Familienfotografin für das Fotografieren von Kindern und Familien in dunklen Räumen

ISO: 10.000 F3.5 1/200

So machst du auch bei wenig Licht scharfe Fotos von Familien und Kindern ohne Blitz

Als dokumentarische Familienfotografin wird es dir immer wieder passieren, dass du auch in lichtarmen Umgebungen Fotos machen möchtest. Zum Beispiel wenn du in dunklen Räumen, die von der Sonne abgewandt sind, fotografierst oder wenn an einem regenverhangenen Tag kaum Licht durchs Fenster fällt.

Vielleicht begleitest du auch Geburten fotografisch – auch dann wirst du die Herausforderung haben, dass du im Kreißsaal gedämpftes Licht vorfindest.

 

Und das kann extrem schwierig sein. Dir als Fotografin wird viel abverlangt und du musst etwas kreativ werden, um auch bei wenig Licht stimmungsvolle Bilder zu schaffen. Vor allem, wenn du deinem dokumentarischen Stil treu bleiben möchtest und die Familien nicht posierst, inszenierst oder etwas bewegst.

Vielleicht hast du dich auch schon öfter geärgert über verrauschte, körnige oder verwackelte Fotos bei wenig Licht

Dann bist du hier richtig. Ich zeige dir, wie du auch bei dunklen Lichtverhältnissen großartige Fotos machst.

Die technischen Grundlagen der Low-Light-Fotografie

Um bei wenig Licht gute Fotos zu bekommen, kannst du mit deiner Kamera einige Low-Light-Einstellungen vornehmen.

Hab keine Angst vor hohen ISO-Werten

Gute Familienfotos bei wenig Licht ohne Blitz machen

ISO: 10.000 F3.5 1/200

Technisch ist mittlerweile viel möglich und du kannst problemlos höhere ISO-Werte nutzen. Ein viel zu hoch gewählter ISO-Wert kann jedoch zu starkem Bildrauschen führen – probiere dich hier ein wenig aus. Ich nutze eine Sony Alpha 7 III und fotografiere Familien 10.000 ISO und Geburten mit 20.000 ISO. 

Viele Fotografinnen scheuen sich jedoch davor, den ISO-Wert zu erhöhen und fotografieren die Szene lieber etwas dunkler, weil sie denken, dass es besser ist, die Belichtung in der Nachbearbeitung zu korrigieren. (Spoiler: Nein, es ist nicht besser!)

Oder sie verkürzen die Verschlusszeit – was eine besonders ruhige Hand verlangt, um keine Verwacklungen zu riskieren. Was auch nicht schön ist: Herum springende und spielende Kinder so oft unscharf dargestellt. 

Das Bild gleich richtig in der Kamera belichten

Statt später alles in der Nachbearbeitung wieder gerade zu rücken, fotografiere dein Bild gleich “richtig”. Klar kannst du über die Postproduktion noch eine Menge rausholen. Aber wenn du Foto zu dunkel belichtet aufgenommen hast und du es nachher heller machen willst, wird das Foto rauschen.

Verwende ein Festbrennweitenobjektiv

Ein Objektiv mit fester Brennweite ist in der Regel heller und lässt daher mehr Licht in das Objektiv. Ein weiterer schöner Nebeneffekt: Du bewegst dich mehr und bleibst an deinem Motiv dran, um die Szene richtig festzuhalten. Das führt zu abwechslungsreichen Fotos mit mehr Dynamik und vielen verschiedenen Perspektiven. Und das möchtest du bei dokumentarischen Familienfotos unbedingt erreichen: vielschichtige Blickwinkel auf deine Familien statt platter, eindimensionaler Frontalaufnahmen wie bei einem Theaterstück, bei dem das Publikum nur in eine Richtung sieht. Fotografinnen, die überwiegend zoomen, bewegen sich kaum und ihre Fotomotive sehen deshalb weniger lebendig aus und viel fader und gleichförmiger.

RAW fotografieren

Wenn du im RAW- statt im JPG-Format fotografierst, hast du viel mehr Möglichkeiten deine Fotos später zu korrigieren, weil die Datei deutlich mehr Informationen enthält als ein JPG.

Im RAW-Format erhält die Kamera alle Bildinformationen, die der Bildsensor aufgenommen hat, ohne sie zu interpretieren oder komprimieren. Sie ist sozusagen das digitale Negativ deines Bildes und du kannst es später digital „entwickeln“ und umfassender nachbearbeiten. Beispielsweise ist es möglich, dein Foto stärker aufzuhellen oder abzudunkeln, ohne kahle Bereiche zu haben, auf denen die Bildinformation verloren geht.

Langsamere Verschlusszeit für künstlerisch unscharfe Fotos

Verschlusszeiten unter 1/60s werden oft als langsam bezeichnet. Du kannst sie aber als künstlerisches Mittel einsetzen und sie für gewollt unscharfe Handheld-Bilder nutzen.

Und so setzt du kreative Unschärfe ein: Wenn ein Elternteil auf dem Boden sitzt und die Kinder rennen um ihn herum, fotografiere mit einer Geschwindigkeit von 1/50. Auf diese Weise hast du die Eltern perfekt im Fokus, während die sich bewegenden Kinder unscharf sind, was ein sehr dynamisches Bild erzeugt. Dafür brauchst du natürlich eine ruhige Hand oder du stützt dich auf etwas ab, damit deine Hand nicht schwingt.

 

Kreative Möglichkeiten bei wenig Licht zu fotografieren

Natürliches Licht.

Zu den wichtigsten Lichtquellen bei der dokumentarischen Familienfotografie zählt das Tageslicht von draußen. Wenn möglich verabrede ich mich mit den Familien so, dass wir morgens oder nachmittags schönes, natürliches und nicht zu grelles Licht haben und die Wohnung besonders hell ist. 

Da ich nicht mit Kunstlicht, Blitzen oder Reflektoren arbeite, nutze ich für fast alle meine Fotos Tageslicht. Falls Lampen in der Wohnung eingeschaltet sind und es zu einer Mischung aus natürlichem und künstliche Licht kommt, habe ich für mich drei Wege entwickelt, damit umzugehen. Ich versuche den Kontrast von warmen und kaltem Licht kreativ zu nutzen, wenn es sich anbietet. Oder ich fotografiere in Schwarz-weiß. Oder ich bearbeite das Bild in Lightroom nach und nutze den Pinsel, um einen Bereich des Fotos aufzuwärmen oder abzukühlen.

 

Geduldig auf den richtigen Augenblick warten

Bei Reportagefotos greifst du nicht in das Geschehen ein und schlägst nicht vor, wo sich die Menschen aufhalten sollen, während du fotografierst. Deshalb wartest du geduldig, bis sich die Personen in die Nähe des vorhandenen Lichts begeben. 

Dafür versuchst du vorauszusehen, wie sich die Personen gleich bewegen werden und fängst den Moment ein, wenn die Person durch einen Lichtschein läuft.

 

Das Licht von Haushaltsgeräten oder Spielzeugen verwenden

Gute Fotos in dunklen Räumen

ISO: 8000 F2.8 1/160

Die wenigen Möglichkeiten, die du hast, dein Bild zu erhellen, zwingen dich dazu, unkonventionell und kreativ zu denken. Nutze das Licht von Geräten, die gerade eingeschaltet sind, wie ein Handy, eine Tablet oder Spielzeuge, die einen Lichtschein werfen. 

 

Die Person unterbelichten und Silhouetten kreieren

Gute Fotos bei wenig Licht

ISO: 16.000 F3,5 1/200

Fällt nur etwas Licht auf dein Motiv, kannst du die Person auch unterbelichten und einen leichten Lichtschein um sie herum kreieren – eine Silhouette, die dramatisch und spannend aussieht.

 

Weniger wackeln

In dunklen Räumen wirst du die Blende länger offen lassen, insbesondere wenn du eher statische Situationen ablichtest, wie Familien, die ein Buch lesen oder schlafende Kinder. Um keine verwackelten Fotos zu haben, stabilisiere während der Aufnahme die Kamera, indem du die Arme fest an den Körper presst. Halte dein Objektiv mit der linken Hand und drücke die Auslösetaste langsam herunter. Wenn möglich stütze deinen Arm irgendwo ab oder nutze einen Gegenstand wie einen Tisch, einen Schrank oder eine Mauer als Stativ.

 

Die Perspektive wechseln

Wenn sich dein Motiv ständig wiederholt und nur wenig Abwechslungsreiches geschieht, zum Beispiel weil du ein Neugeborenen-Shooting machst, wechsle öfter die Perspektive – und damit auch die Lichtstimmung: Mit dem Licht fotografieren, gegen das Licht, mit einem Licht-Highlight.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Fotografieren deiner Familien – auch in dunklen Räumen und bei wenig Licht gelingt dir das mit diesen Tipps sicher!

Wenn du noch genauer wissen möchtest, wie ich mit wenig Licht fotografiere, dann ist unser Online-Fotokurs “Dokumentarische Familienfotografie für Fotografinnen, und solche, die es werden wollen”das richtige für dich.

Darin erklären wir ausführlich, wie du mit wenig Licht wunderschöne, authentische Familiefotos fotografierst. 

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