Gute Familienfotos bei wenig Licht ohne Blitz machen
Meine besten Tipps als dokumentarische Familienfotografin für das Fotografieren von Kindern und Familien in dunklen Räumen

In den letzten zehn Jahren durften wir unzählige Geburten fotografisch begleiten: Einige davon waren Familiengeburten, bei denen Geschwisterkinder anwesend waren. Und wisst ihr was? Diese Erlebnisse gehören zu den schönsten, die wir je dokumentiert haben.
Aber das war kein Zufall. Diese Geburten waren deshalb so friedlich, weil Eltern, Geburtshelfer:innen und auch wir als Fotografinnen gut vorbereitet waren.


Wir möchten hier unsere besten Tipps teilen: für Eltern, die überlegen, ihr älteres Kind bei der Geburt dabeizuhaben und für Geburtsfotografinnen, die solche besonderen Momente dokumentieren. Alle Tipps stammen aus unserer praktischen Erfahrung und aus vielen Gesprächen mit Familien, Doulas und Hebammen.
Damit Geschwisterkinder die Geburt nicht nur miterleben, sondern als etwas Schönes, Verständliches und Stärkendes in Erinnerung behalten.


Unsere Erfahrung zeigt: Wenn Geschwisterkinder im Vorfeld gut vorbereitet sind, verläuft die Geburt für alle entspannter. Kinder sind neugierig und feinfühlig. Sie merken sofort, wenn etwas Ungewöhnliches passiert. Umso wichtiger ist es, ihnen ehrlich und altersgerecht zu erklären, was sie bei einer Geburt sehen und hören könnten.
Sprecht mit euren Kindern offen darüber, dass die Geburt körperlich anstrengend ist und mit starken Geräuschen, Blut und Schmerz verbunden sein kann. Entscheidend ist, dass ihr ihnen erklärt, warum das so ist:
Die gebärende Person macht Töne, weil die Muskeln hart arbeiten. Das ist so ähnlich wie beim Sport, wenn man kräftig stößt oder läuft und dabei keucht. Manche Gebärende schreien oder tönen laut, um die Anstrengung zu bewältigen.

Chiara erinnert sich noch gut an eine Geburt, bei der der große Bruder mit dabei war. Die Mutter hat während der Wehen getönt, laut, so wie es ihr gutgetan hat. Der Junge hatte Kopfhörer auf den Ohren, damit es für ihn angenehm war und die Hebamme ist ganz ruhig zu ihm runtergegangen, hat sich zu ihm gehockt und gesagt: „Hör mal, Mama singt jetzt, damit ihr Körper gut arbeiten kann.“ Das hat so viel verändert. Der Junge hat sich entspannt, gelächelt und ein paar Minuten später rief er grinsend: „Chiara, mach mit!“

Bei einer Geburt öffnet sich der Geburtskanal, und Blut ist ein Zeichen dafür, dass der Körper arbeitet. Blut bedeutet hier aber nicht Gefahr, sondern dass Platz für das Baby entsteht.
Schmerzen sind ein Signal dafür, dass der Körper intensiv arbeitet, um das Baby auf die Welt zu bringen. Es ist ein besonderer Schmerz, der eine wichtige Aufgabe hat.
Hilfreich ist es, Kindern vorab Bilder, Bücher oder Videos zu zeigen. aber nur solche, die Geburt positiv, realistisch und respektvoll darstellen. Gute Materialien helfen, medizinische Vorgänge zu verstehen, ohne Angst zu machen. Bücher wie Runas Geburt oder Wer klopft da? erklären Geburten kindgerecht.
Viele Kinder sind nach solcher Vorbereitung während der Geburt deutlich ruhiger und gelassener: Sie wissen, dass Blut, Geräusche und Anstrengung normal sind und Teil eines großen, wichtigen Vorgangs.

Es ist natürlich schwierig eine Familie von einer Geburtsreportage zu überzeugen, wenn man noch garkeine Bilder zeigen kann. Aber wie Bilder zeigen, wenn man noch keine Familie fotografiert hat?
Wir zeigen dir 4 konkrete Schritte, wie du zu deiner ersten Geburtsreportage kommst!
Wir haben es uns zur Gewohnheit gemacht, Eltern eine kleine Galerie mit Geburtsfotos bereitzustellen, in denen Geschwisterkinder dabei waren. Diese Fotos können sie ihren Kindern zeigen, um eine konkrete Vorstellung zu geben: „So kann es aussehen, wenn ein Baby geboren wird, und so haben andere Kinder es erlebt.“
Außerdem sprechen wir im Vorgespräch mit den Eltern bewusst an, ob sie ihre Kinder schon vorbereitet haben. Wir fragen zum Beispiel: „Habt ihr erklärt, warum es Blut gibt oder warum die gebärende Person Geräusche macht?“ Solche Fragen helfen Eltern, über medizinische Fakten altersgerecht zu sprechen. und nehmen der Situation oft das Unbekannte, das Kindern Angst machen könnte.
Kinder, die wissen, was sie erwartet, erleben die Geburt weniger als Schock, sondern mehr als spannendes, verständliches Ereignis. Das schafft Sicherheit. für die Kinder, für die gebärende Person und für die gesamte Atmosphäre.
Wichtig ist: Die gebärende Person muss sich mit dieser Person im Geburtsraum absolut wohl fühlen. Geburt ist intim. Wenn ihr dabei das Gefühl habt, beobachtet oder gehemmt zu sein, kann das den Prozess stören. Das Kind oder die Kinder sollten zu dieser Person ein sehr gutes Verhältnis haben. Nur dann kann sie im entscheidenden Moment wirklich entlasten. Ein Kind geht leichter aus dem Raum, wenn es mit jemandem geht, dem es vertraut.

Wir haben oft erlebt, dass Eltern zuerst dachten: „Das machen wir schon irgendwie zu zweit.“ Aber in der Realität wäre der Partner oder die Partnerin dann zerrissen zwischen der gebärenden Person und dem Kind. Und genau das führt zu Stress. Mit einer dritten Person, die nur für die Kinder da ist, wird es für alle leichter.
Oft war so, dass Großmütter, also die Mütter der Gebärenden, anwesend gewesen sind und bereitgestanden haben, das Kind in einen anderen Raum zu begleiten, sobald es dem Kind zu viel geworden ist, es müde gewesen ist oder die Mutter das gewünscht hat.
Für Geburtsfotografinnen:
Sprecht dieses Thema aktiv an. Viele Eltern denken nicht von selbst daran, wie sehr es die Situation erleichtern kann, wenn eine Vertrauensperson fürs Kind da ist. Wir fragen im Vorgespräch: „Wer könnte die Person sein, die sich ausschließlich um die Geschwister kümmert?“ Oft öffnet das den Blick für Lösungen, an die die Familie vorher nicht gedacht hatte.
So sehr wir uns alle eine ruhige, komplikationsfreie Geburt wünschen. Geburten sind unvorhersehbar. Komplikationen oder plötzliche Veränderungen können passieren: eine Verlegung ins Krankenhaus, ein Notfall, in dem viele Menschen gleichzeitig in den Raum kommen, oder schlicht eine sehr lange Geburt, bei der das Kind irgendwann erschöpft ist.
Kinder brauchen die Sicherheit, dass sie in solchen Momenten nicht „feststecken“. Deshalb ist es wichtig, vorher einen Plan B zu haben. und diesen auch mit den Kindern zu besprechen.
Wir haben in unserer Arbeit schon viele Varianten erlebt: Manchmal bleibt ein Kind nur in der Anfangsphase dabei und wird dann von Oma abgeholt, manchmal wird es mitten in der Nacht ins Geburtshaus gebracht, wenn das Baby kurz bevorsteht. Wichtig ist nicht, dass es „nach Plan“ läuft, sondern dass das Kind und die gebärende Person wissen: Jede Option ist vorbereitet.
Wir sprechen im Vorgespräch offen darüber: „Was passiert, wenn euer Kind plötzlich raus möchte oder wenn medizinisch etwas Unvorhergesehenes passiert?“ Diese Frage wirkt für viele Eltern erstmal unbequem. aber sie bringt eine enorme Erleichterung, wenn es dann klare Antworten gibt.
Auch fotografisch gilt: Plan B heißt Flexibilität. Manchmal fotografieren wir eben nicht die Geburt mit Geschwisterkind im Raum, sondern die emotionale erste Begegnung später. Und oft sind genau diese Bilder die, die Eltern besonders schätzen.
Kinder verarbeiten Situationen besser, wenn sie sie schon einmal in Bildern, Geschichten oder Erklärungen gesehen haben. Geburt ist nichts, wovor wir Kinder „beschützen“ müssen. sie können sehr gut damit umgehen, wenn sie vorbereitet werden und verstehen, was geschieht.

Für Eltern:
Zeigt euren Kindern die Abläufe von Schwangerschaft und Geburt so früh und so ehrlich wie möglich.
Das alles gibt euren Kindern nicht nur Wissen, sondern auch das Gefühl, Teil des Prozesses zu sein. Und wer versteht, was passiert, reagiert mit weniger Angst und mehr Neugier.
Für Geburtsfotografinnen:
Wir erleben oft, dass Eltern unsicher sind, wie viel Information sie ihrem Kind zutrauen können. Genau hier können wir unterstützen:
Unsere Erfahrung: Kinder, die Geburt vorher gesehen, gehört und erklärt bekommen haben, sind im Geburtsraum oft ruhiger, gelassener. Und manchmal sogar voller Stolz, „Bescheid zu wissen“.
Kinder wollen nicht nur zuschauen, sie wollen dazugehören.
Wenn Geschwister im Geburtsraum sind, fühlen sie sich sicherer und stolzer, wenn sie eine kleine, altersgerechte Aufgabe bekommen.
Das macht sie zu einem aktiven Teil der Geburt, statt nur „Publikum“ zu sein.

Für Eltern: Überlegt euch im Vorfeld kleine Tätigkeiten, die euer Kind übernehmen kann. je nach Alter und Interesse:
Manche Familien lassen ihr älteres Kind sogar die Nabelschnur durchschneiden.
Ein unvergesslicher Moment, der Kinder unglaublich stolz macht.
Wichtig ist: Die Aufgabe sollte nicht überfordern, sondern dem Kind das Gefühl geben:
Ich bin wichtig. Ich gehöre dazu.

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