Gute Familienfotos bei wenig Licht ohne Blitz machen
Meine besten Tipps als dokumentarische Familienfotografin für das Fotografieren von Kindern und Familien in dunklen Räumen

Wir sind den Male Gaze so müde.
Diese unendlich vielen Bilder von Frauen, die durch einen männlich geprägten Blick entstanden sind. Bilder, auf denen Frauen gefällig wirken sollen. Schön, aber bitte nicht zu mächtig. Selbstbewusst, aber nicht zu viel. Professionell, aber immer noch weich genug, damit sich niemand bedroht fühlt.
Und wir haben so große Lust auf etwas anderes.
Auf Frauen durch den Blick von Frauen. Bestärkend. Supportive. Weich. Liebevoll. Bewundernd.
Wir wollen Businessfotos von Frauen sehen, auf denen Frauen sich selbst erkennen. So, wie sie sich sehen wollen. Stark. Selbstbewusst. Beeindruckend. Kompetent. Mächtig. Mit ihrer Persönlichkeit, ihrer Arbeit, ihrer Haltung und den Werten, für die sie stehen.
Und ja, genau dafür brauchen wir mehr Fotografinnen.


Wenn man nach Inspiration für moderne Businessfotos von Frauen sucht, merkt man ziemlich schnell, wie eng die Bildwelt immer noch ist.
Da sind Frauen mit Laptop. Frauen mit Blazer. Frauen, die freundlich in die Kamera lächeln. Frauen, die sehr „professionell“ aussehen, aber dabei oft erstaunlich austauschbar bleiben. Frauen, die selten wirklich Raum einnehmen.
Und wenn man nach starken, selbstbewussten Frauenporträts sucht, nach Posen, nach Bildern, die Kompetenz, Macht, Persönlichkeit und Haltung verbinden, wird es noch schwieriger.
Natürlich gibt es großartige Ausnahmen. Aber genau das ist der Punkt. Ausnahmen.
Dabei müssten solche Bilder überall sein.
Wir bräuchten sie auf Websites, in Magazinen, auf Social Media, in Presseartikeln, auf Buchcovern, auf Vortragsseiten, in Unternehmensporträts, auf Plakaten und in Newslettern.
Das Problem beginnt lange vor dem Fotoshooting und dafür müssen wir uns klarmachen, dass wir alle im Patriarchat sozialisiert sind. Wir alle haben frauenverachtende, bodyshamende Zeitungscover gelesen und Filme und Serien geschaut mit schlanken Schauspielerinnen, die als „pummelig“ galten.
Uns wurde im Patriarchat so oft beigebracht, uns von außen zu betrachten. Wie wir wirken. Ob unser Körper „vorteilhaft“ aussieht. Ob Kleidung schlank macht. Ob sie weiblich genug wirkt, attraktiv für Männer. Ob die Taille betont wird. Ob die Formen sichtbar sind, aber bitte auf die richtige Art.
Und das schleppen viele Frauen mit in ein Businessfotoshooting. Es ist fast unmöglich, das abzuschütteln. Das heißt, wir müssen als Fotografinnen damit arbeiten. Wir müssen damit arbeiten, dass Frauen diese Fragen im Kopf haben: Sehe ich gut aus? Wirke ich zu breit? Zu alt? Zu ernst? Zu viel? Sollte ich lieber lächeln? Muss ich femininer wirken? Professioneller? Entspannter? Schlanker?
Das ist kein persönliches Problem einzelner Frauen. Das ist strukturell.


Wir haben gelernt, dass Bilder von Frauen bewertet werden. Dass Frauenkörper kommentiert werden. Dass Sichtbarkeit nicht einfach nur Sichtbarkeit bedeutet, sondern auch Angriffsfläche. Und deshalb ist Businessfotografie für Frauen so aufgeladen.
Ein Businessportrait ist für Frauen eben nicht nur ein Bild für die Website. Es wird zu einer Frage von: Darf ich so sichtbar sein? Darf ich so viel Raum einnehmen? Darf ich ernst schauen?
Darf ich mächtig wirken?

Gerade deshalb lieben wir diese Bewegung, in der Frauen darüber sprechen, sich für den Female Gaze zu kleiden.
Also Kleidung nicht mehr danach auszuwählen, ob sie schlank macht. Nicht mehr danach, ob sie weibliche Formen möglichst „vorteilhaft“ betont, für den männlichen, sexualisierenden Blick. Nicht mehr danach, ob sie Männern gefällt oder eine bestimmte Art von Weiblichkeit aufführt.
Sondern Kleidung zu tragen, um sich wohlzufühlen. Um sich auszudrücken. Um eine eigene Ästhetik zu entwickeln, die nicht um männliche Anerkennung kreist. Kleidung, die sagt: Ich ziehe mich nicht an, um bewertet zu werden. Ich ziehe mich an, um ich selbst zu sein.
Und genau das wollen wir auch in der Businessfotografie. Wir wollen Bilder entwickeln, auf denen Frauen sich selbst ausdrücken können.
In der dokumentarischen Familienfotografie ist uns das oft vertrauter.
Da sagen wir: Ihr seid richtig, wie ihr seid. Wir kommen zu euch. Ihr müsst nicht aufräumen, nicht performen, nicht so tun, als wäre euer Familienleben ruhiger oder ordentlicher. Wir fotografieren eure Beziehung, eure Verbindung, eure echten Momente. Genau das ist wertvoll. Genau das wollt ihr später erinnern.
In der Familienfotografie haben wir dafür längst Worte gefunden. Bindung. Beziehung. Echtheit. Alltag. Nähe. Erinnerung.
In der Businessfotografie ist es komplizierter. Für Frauen kommt noch diese ganze patriarchale Schicht dazu: Professionell wirken, aber nicht hart. Stark wirken, aber nicht arrogant. Erfolgreich wirken, aber bitte nicht einschüchternd. Das ist ein enges Korsett.

Macht kann bedeuten, einen Raum zu halten. Wissen weiterzugeben. Eine Entscheidung zu treffen. Eine Grenze zu setzen. Ein Unternehmen aufzubauen. Kund:innen zu führen. Für Werte einzustehen. Andere Menschen zu stärken. Eine eigene Sprache zu finden. Geld zu verdienen. Sichtbar zu sein. Nicht mehr um Erlaubnis zu bitten.
Und genau diese Formen von Macht brauchen Bilder.
Vielleicht sieht Macht bei einer Frau nicht aus wie verschränkte Arme vor Glasfassade. Vielleicht sieht sie aus wie Hände in Erde. Wie ein konzentrierter Blick auf einen Schnittbogen. Wie eine Hebamme, die ruhig am Rand eines Geburtsraums sitzt und alles wahrnimmt. Wie eine Unternehmerin, die mitten im Laden steht, den sie selbst aufgebaut hat. Wie eine Coachin, die nicht dauerlächelt, sondern wirklich zuhört. Wie eine Autorin zwischen Notizen, Büchern, Kaffee und Chaos.
Macht muss nicht dominant auftreten. Sie muss nicht männlich codiert werden.
Sie darf weiblich sein, queer, weich, müde, wild, alt, dick, behindert, wütend, zärtlich, fürsorglich, streng, warm, kompliziert. Sie darf all das sein, was Frauen sind, wenn sie nicht für einen männlichen Blick zurechtgemacht werden.
Auch Posen sind politisch.
Natürlich kann eine Pose erst einmal einfach eine Pose sein. Aber klassische Posing-Regeln für Frauen drehen sich am Ende wieder um dieselben alten Themen: schmaler wirken, Kurven formen, Beine verlängern, Taille zeigen, Kinn optimieren, Arme dünner machen, weiblicher aussehen.
In den letzten Jahren habe ich immer wieder erlebt, dass Frauen vor der Kamera oft zuerst in eine gelernte Haltung fallen. Der Körper macht sich schmal, die Beine werden überschlagen, das Lächeln wird nett, der Blick lieblich. Es ist fast, als würde der Körper automatisch abrufen, was Frauen so oft beigebracht wurde: wenig Raum einnehmen.
Deshalb finde ich es beim Fotografieren so wichtig, eine andere Einladung auszusprechen. Ich sage dann zum Beispiel: „Probier mal, ob es sich gut anfühlt, die Schultern weiter zu machen. Nimm ruhig mehr Raum ein. Du darfst breitbeinig sitzen. Du darfst mal schauen, wie es sich anfühlt, wenn du dich nicht klein machst.“
Was mich daran immer wieder berührt: Die Frauen nehmen dieses Angebot sofort dankbar an. Als hätten sie nur darauf gewartet, dass ihnen jemand erlaubt, mehr Raum einzunehmen.
Dann verändert sich nicht nur die Pose, sondern der ganze Ausdruck. Und dann entstehen für mich Bilder, auf denen Frauen schön aussehen und gleichzeitig bei sich sind.

Eine einzelne Fotografin kann diese Bildkultur nicht verändern. Ein einzelnes Shooting auch nicht. Aber viele Fotografinnen können sehr viel verändern.
Wir brauchen Fotografinnen, die Frauen so fotografieren, wie sie sich sehen wollen. Fotografinnen, die nicht automatisch fragen, was am Körper „vorteilhaft“ aussieht, sondern was die Person ausdrücken möchte. Fotografinnen, die Frauen nicht in ein patriarchales Bild pressen. Fotografinnen, die verstehen, dass ein Businessfoto auch eine Aussage darüber ist, wem wir Kompetenz zutrauen.
Denn der Male Gaze verschwindet nicht von allein.
Er sitzt in Suchergebnissen. In Stockfotos. In Businessratgebern. In Pinterest-Boards. In alten Posing-Regeln. In der Erwartung, dass Frauen Kompetenz immer noch mit Gefälligkeit kombinieren müssen.
Deshalb brauchen wir Gegenbilder. Starke Frauen von Frauen fotografiert. In den Medien. Auf Websites. In Magazinen. In Unternehmen. Auf Bühnen. In Büchern. In Kampagnen. Auf Social Media.
Deshalb interessiert uns Businessfotografie so sehr.
Weil Businessfotos überall auftauchen. Weil sie prägen, wie Expertinnen sichtbar werden. Weil sie beeinflussen, ob eine Frau als kompetent, vertrauenswürdig, erfahren, kreativ, mutig oder klar wahrgenommen wird. Weil sie verkaufen und gleichzeitig visuelle Normen schaffen.
Wenn wir immer dieselben Businessbilder von Frauen produzieren, bleibt auch die Vorstellung von weiblicher Professionalität eng.
Wenn wir andere Bilder machen, verschieben wir visuelle Normen.

Wenn du dokumentarische Familienfotografin bist und beim Lesen merkst, dass du genau solche Businessfotos machen möchtest, dann ist Businessfotografie vielleicht viel näher an deiner Arbeit, als du dachtest.
Du hast wahrscheinlich schon gelernt, Menschen nicht zu verbiegen. Du weißt, dass echte Bilder nicht aus Kontrolle entstehen, sondern aus Vertrauen. Du kannst Beziehungen lesen, Räume spüren, kleine Gesten wahrnehmen und Menschen so fotografieren, dass sie sich nicht vorgeführt fühlen.
Genau diese Fähigkeiten brauchen wir in der Businessfotografie.
In unserem Businessfotografie-Schnelleinstieg zeigen wir dir, wie du dokumentarische Businessreportagen anbieten kannst: wie du Shootings vorbereitest, mit Kund:innen kommunizierst, vor Ort fotografierst und Bilder auswählst, die kleine Unternehmen, Selbstständige und Gründer:innen wirklich nutzen können.
Du musst also nicht ewig herumprobieren. Du kannst sofort loslegen.
Und wenn du erst einmal in die Businessfotografie reinschnuppern möchtest, schau dir unser kostenloses Video-Training an. Darin bekommst du 3 konkrete Schritte, mit denen du deine ersten Business-Portfoliofotoshootings findest, auch wenn du bisher noch keine Businessfotos auf deiner Website zeigst.
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Ich werde oft gefragt, welchen Rat ich mir selbst geben würde und was ich am Anfang meiner Karriere als Fotografin…
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Kontakt: workshop@chiara-und-marcia-fotografie.de